Discemotorik – Wir lernen bewegt

Ein Projektbeispiel der Modellschule

Von Manuela Brandschert, veröffentlicht am 06.07.2015, Stand: 09.07.2015

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Eine inklusive und gesundheitsfördernde Pädagogik in der Grundschule

Pestalozzischule Eisenberg

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Es ist normal verschieden zu sein.

Richard von Weizsäcker

Stärken zu stärken ist sinnvoller als an Schwächen zu arbeiten.

Erfahren Sie mehr über die Modellschule für Partizipation und Demokratie, an der dieses Projektbeispiel entstanden ist.

Projektübersicht

Unser Weg

Folgende Schritte sind wir auf unserem Weg der Entwicklung des Lernkonzeptes “Discemotorik” gegangen:

  1. Schritt: Konzeptentwicklung und Einrichtung eines Erlebnis- und Bewegungsraumes, gefördert durch Spendengelder von ansässigen Firmen und Vereinen.
  2. Schritt: Die Beobachtungsdiagnostik “Die wilden Tiere in der Schule” wird entwickelt und erprobt.
  3. Schritt: Weiterentwicklung und Anpassung des Konzeptes: Discemotorik wird als fester Unterrichtsbestandteil in den Klassen und Fluren etapliert.
  4. Schritt: Entwicklung der bewegten Lernkartei: “Discemotorik – Wir lernen bewegt”
  5. Schritt: Kooperation und Partizipation mit Eltern und Kita: Das Kinderbuch “Mo entdeckt die Farben des Glücks” zum Konzept erscheint. Elternseminare und Studientage für Kitas und Schulen werden angeboten.

Ziel unseres Projektes war es, ein Konzept zu entwickeln, welches hilft, Kinder mit Problemen in der Motorik und Wahrnehmungsverarbeitung zu fördern, damit diese wieder motiviert, mit Freude und ohne Angst vor Misserfolgen lernen können.

Literatur zum Konzept:

  • “Mo entdeckt die Farben des Glücks” von Martina Pellegriti
  • Fachbuch zum Konzept “Wir lernen bewegt” von Aline Klusen, Beltz Verlag
  • Die bewegte Lernkartei “Discemotorik – Wir lernen bewegt!”

Fortbildungsmöglichkeiten:

  • Fortbildungen und Studientage zum Thema über das PL und das ILF
  • Hospitationen an der Pestalozzischule Eisenberg
Projektbeschreibung

Dokumentation: Discemotorik – Wir lernen bewegt

Das Konzept “Discemotorik – Wir lernen bewegt” verbindet ergotherapeutische und psychomotorische Elemente zu einem ganzheitlichen Lernansatz.

Seit Jahren beobachten wir in unserem Kollegium Schüler, die mit den Anforderungen des Schulalltags überfordert sind. Beispielsweise können einige Schüler den Stift nicht richtig halten und die Kraft nicht richtig dosieren, haben Probleme die Lineatur einzuhalten, ihnen fällt die Unterscheidung von oben, unten, rechts und links schwer, das Stillsitzen am Tisch gelingt ihnen kaum oder nur sehr kurze Zeit und mehr als eine Lehreranweisung auszuführen, bereitet ihnen Probleme. Dazu und manchmal auch aus diesen Problemen resultierend treten Auffälligkeiten im sozial-emotionalen Bereich auf, die das Arbeiten in der Klasse erschweren. Trotz größter Bemühungen von Seiten der Lehrer und pädagogischen Fachkräfte scheinen diese Kinder den Anforderungen, die die Schule an sie stellt, häufig nicht gewachsen zu sein.

Mit Hilfe unserer Ergotherapeutin Frau Klusen stellten wir fest, dass ein Teil der Lernschwierigkeiten der Kinder häufig auf Defizite in der Wahrnehmung und der Motorik zurückzuführen sind. Nur wenn Kinder über ein Fundament aus einer intakten Wahrnehmungsverarbeitung und guter Motorik (Sensomotorik) verfügen, werden sie befähigt sein, kognitive Leistungen zu meistern und mit Freude zu lernen.

Das Besondere an unserem Konzept ist, dass wir diese Defizite mit Wahrnehmungs- und Bewegungsangeboten ausgleichen und diese immer mit dem aktuellen Lerninhalt des Kindes verknüpfen. Die Motivation und Konzentration wird durch das Bewegungsangebot erheblich gesteigert und die Kinder lernen mit viel Spaß.

Durch das bewegte Lernen ist es uns möglich, beeinträchtigte, nicht beeinträchtigte und Kinder mit Migrationshintergrund ihrem Lernstand entsprechend individuell und differenziert zu fördern und das gemeinsame (zeitgleiche) Lernen aller Kinder (Inklusion) mit viel Spaß und Motivation zu ermöglichen.
Es handelt sich also um ein einzigartiges Lernkonzept, das es ermöglicht, eine inklusive Pädagogik ganzheitlich zu praktizieren.

Beobachtungsdiagnostik
Als Grundlage unserer gezielten Förderung haben wir eine Beobachtungsdiagnostik entwickelt, die Aufschluss darüber gibt, in welchen Bereichen die Defizite und die damit verbundenen Lernschwierigkeiten der Kinder liegen.
Die ursprünglich aus der sensorischen Integrationstherapie und der visuellen Wahrnehmungsförderung stammende Beobachtungsdiagnostik wurde so umgestaltet, dass sie von Lehrern, Erziehern und pädagogischen Fachkräften angewendet werden kann. Sie ist in eine Reimgeschichte eingebettet und illustriert, so dass sie in Kindergärten, Grund- und Förderschulen gut einsetzbar ist. (siehe Anhang)
Diese wiederum ist Grundlage einer Dokumentation des Lernstandes und des sich daraus ableitenden Förderplans.

Discemotorik im Erlebnis- und Bewegungsraum
In einem eigens für die Discemotorik eingerichteten Erlebnis- und Bewegungsraum lernen unsere Schüler mit viel Freude bewegt. Dieser Raum wird von Frau Klusen betreut. Durch eine enge Zusammenarbeit mit den Lehrerteams, die den aktuellen Lerninhalt „liefern“ und anhand der Förderpläne (welche wiederum aufgrund der Beobachtungsdiagnostik erstellt wurden) ist es Frau Klusen möglich, die Schüler ihrem Leistungsstand entsprechend individuell und differenziert zu fördern.

Discemotorik im Klassenraum
Die erfolgreiche Umsetzung unseres Konzeptes findet aber nicht nur im Bewegungsraum statt, sondern wird auch in den Klassen und auf den Fluren umgesetzt und ist somit ein fester Unterrichtsbestandteil.
Bei der Discemotorik können die Kinder handlungsorientiert mit kindgerecht aufbereitetem Material an differenzierten und individuellen Lerninhalten arbeiten.

Durch die entstehende Motivation und Anstrengungsbereitschaft beobachten wir, dass es mehr Situationen gibt, in denen die Kinder gelobt werden können. Dies wirkt sich sehr positiv auf die Lehrer-Schüler-Beziehung aus. Diese Art des Lernens stärkt also den Lehrer als Resilienzfaktor.
Lehrer müssen nicht nur ihre Schüler, sondern auch deren Eltern gut beraten. Die Beobachtungen und Schlussfolgerungen, die bei unserer Diagnostik entstehen, münden in einem Förderplan, der eine gute Grundlage für Elterngespräche darstellt. Eltern erleben Lehrer als engagierte und kompetente Partner, die für ihr Kind eine bestmögliche Lernumgebung schaffen.

Discemotorik in Kita und Elternhaus
Mit Hilfe des Kinderbuches “Mo entdeckt die Farben des Glücks” können in Kindergarten und Elternhaus Bewegung und Wahrnehmung gefördert werden. Die Abenteuer die Mo und Hanni erleben, verknüpfen und fördern auf natürliche Weise die Wahrnehmungssinne und Motorik.

Das Konzept “Discemotorik – Wir lernen bewegt” konnte nicht nur an der Pestalozzischule Eisenberg nachhaltig verankert werden, sondern wird inzwischen schon in vielen weiteren Grundschulen, Förderschulen und Kindergärten erfolgreich umgesetzt.

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